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Wirtschafts- und Sozialdemographie

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901

Teilbereiche der Bevölkerungswissenschaft befassen sich mit den Wechselwirkungen zwischen demographischen Erscheinungen einerseits und wirtschaftlichen bzw. sozialen andererseits. Ein wichtiger Gegenstand der Bevölkerungstheorie (105-1) ist seit langem das Verhältnis zwischen der Größe der Bevölkerung eines Landes und den Ressourcen 1 und der Produktion 2 von Gütern und Dienstleistungen. Neuerdings wird die Beziehung zwischen Bevölkerungsentwicklung (701-1) und Wirtschaftswachstum (903-1) unter anderem im Hinblick auf Konsum 3, Sparen 4, Investition 5 und den Arbeitsmarkt 6★ besonders beobachtet.

902

Die Begriffe Überbevölkerung 1 oder Unterbevölkerung 2 verweisen auf ein zahlenmäßiges Zuviel oder Zuwenig an Bevölkerung innerhalb eines Gebietes (301-2). Sie haben nur Sinn, wenn sie auf eine bestimmte Entwicklungsstufe 3, ein bestimmtes Entwicklungsniveau 3 bezogen werden. Eine Bevölkerungszahl, bei der weder eine Verminderung noch eine Vergrößerung bestimmte Vorteile für die betrachtete Bevölkerung bringen würde, wird als Bevölkerungsoptimum 4 oder optimale Bevölkerung 4 bezeichnet. Unter wirtschaftlichem Bevölkerungsoptimum 5 wird jene Bevölkerungszahl verstanden, die den Bewohnern eines bestimmten Gebietes den größtmöglichen materiellen Wohlstand gewähren würde. Als Indikator für Wohlstand wird dabei üblicherweise der Lebensstandard 6 herangezogen, welcher im allgemeinen durch das reale Volkseinkommen pro Kopf der Bevölkerung 7, reale Pro-Kopf-Einkommen 7, approximiert wird.

  • 5. Neben einem Bevölkerungsoptimum im Hinblick auf den größtmöglichen materiellen Wohlstand ist gelegentlich ein solches im Hinblick auf militärische Gesichtspunkte (Machtoptimum) oder auf allgemeine gesellschaftliche Lebensverhältnisse (soziales Optimum) angesprochen worden.
  • 7. Als Maß für den Lebensstandard wird oft auch das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung benutzt.

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Verschiedene Disziplinen der Sozialwissenschaften haben auf die vielfältigen dynamischen Beziehungen hingewiesen, die zwischen wirtschaftlichem Wachstum 1 und wirtschaftlicher Entwicklung 1 einerseits und der Bevölkerungsentwicklung, ihrer Veränderung in Größe, Struktur und Verteilung, andererseits bestehen. Die Ökonomen sind heute weniger am statischen Konzept einer optimalen Bevölkerungsgröße als am dynamischen Gegenstück, der optimalen Bevölkerungswachstumsrate 2 interessiert, die innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen eine maximale Verbesserung des Lebensstandards ermöglicht. Die angedeuteten Zusammenhänge sind speziell für Länder mit niedrigem Lebensstandard von Bedeutung, die man als Entwicklungsländer 3 oder weniger entwickelte Länder 3 (LDC) oder Drittweltstaaten 3 bezeichnet.

  • 1. Wachstum ist von Entwicklung streng zu unterscheiden. Während der eher ökonomische Wachstumsbegriff lediglich die Zunahme z.B. des Volkseinkommens beinhaltet, umfaßt der stark politische Entwicklungsbegriff mindestens noch den Verteilungsaspekt (Einkommen, meist auch Besitz und Chancen). Verschiedene politische Schulen bieten unterschiedliche Entwicklungsbegriffe an.
  • 3. Die Klassifizierung und Benennung dieser Länder bieten einige theoretische, konzeptionelle und politische Schwierigkeiten. Eine pragmatische, heute übliche Unterteilung spricht bei den ärmsten Ländern von LDC (= least developed countries) und von MSAC (= most seriously affected countries) und unterscheidet weiter sog. Schwellenländer (NIC = Newly Industrialized Countries) und ölexportierende Staaten. Die Abgrenzungen erfolgen mittels verschiedener, uneinheitlicher Indikatoren. Im Gegensatz zu den Industrieländern (entwickelte (DC) oder mehr entwickelte Länder (MDC)) werden die LDCs auch gelegentlich als unterentwickelte oder Niedrigeinkommenländer bezeichnet.

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Unter dem Bevölkerungsmaximum 1 oder der Tragfähigkeit 1 eines Gebietes wird im allgemeinen die größte Anzahl von Personen verstanden, die unter spezifischen Rahmenbedingungen in dieser Region ihren Lebensunterhalt fristen können. Lebensunterhalt wird dabei oft verschieden definiert und interpretiert (Konzept der absoluten und relativen Armut; Existenzminimum (905-5)). Umgekehrt gilt als Bevölkerungsminimum 2 im allgemeinen diejenige Bevölkerungszahl, die in einer bestimmten Region unter bestimmten Rahmenbedingungen gerade noch das Überleben als Gruppe 3 sichert.

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Der Ausdruck Bevölkerungsdruck 1 ist nur sinnvoll, wenn die Bevölkerungsgröße zu den zur Verfügung stehenden Ressourcen (901-1) in Beziehung gesetzt wird. Hoher oder niedriger Bevölkerungsdruck weist darauf hin, daß die Bevölkerung im Hinblick auf die vorhandenen Ressourcen sich nahe oder weit weg vom Bevölkerungsmaximum befindet. Folgt man der malthusianischen Bevölkerungstheorie 2 (nach Thomas Robert Malthus), so entsteht im Laufe der Zeit unweigerlich ein Druck der Bevölkerung auf die individuell verfügbaren Subsistenzmittel 3, Unterhaltsmittel 3. Jede Zunahme im Angebot an Unterhaltsmitteln bewirkt danach auch eine Zunahme der Bevölkerung bis sich wiederum ein demographisches Gleichgewicht 4 einspielt, bei dem die Lebenshaltung der Bevölkerung erneut dem physiologischen Existenzminimum 5, dem Subsistenzminimum 5, entspricht. Das demographische Gleichgewicht bleibt erhalten, wenn es gelingt, jegliche Überschußbevölkerung 10★ zu vermeiden. Das Ziel kann erreicht werden entweder durch das Eintreten repressiver Kontrollen 6 oder repressiven Hemmnisse 6, die auch malthusianische Kontrollen 6 genannt werden, wie Hunger, Seuchen, Kriege, oder aber durch Anwenden präventiver Kontrollen 7 oder präventiven Hemmnisse 7, durch ein Leben in sittlicher Enthaltsamkeit 8 oder ein Hinausschieben der Eheschließung 9 bei gleichzeitiger sexueller Abstinenz vor der Eheschließung.

  • 2. Über den eigentlichen Gehalt der Malthusschen Gedanken bestehen in der Bevölkerungswissenschaft Kontroversen. Sie sind nicht zuletzt bedingt durch eine sehr unterschiedliche Fassung seiner Thesen in der ersten Auflage seines Werkes „An Essay on the Principle of Population” (einer gesellschaftlichen Kampfschrift) und in den folgenden Auflagen, die eine ausführliche Behandlung der Problematik auf der Basis umfangreicher Studien und Reiseerfahrungen enthalten. Die erste Auflage verweist lediglich auf repressive Hemmnisse (malthusian checks) (905-6). Im Hinblick auf die in den folgenden Auflagen erwähnten präventiven Hemmnisse (905-7) ist umstritten, ob damit alle Formen willentlicher Geburtenbegrenzung (also auch mit Methoden der Geburtenkontrolle (627-3)) gemeint sind oder nur für der von Malthus direkt erwähnte Begriff „sittliche Enthaltsamkeit” (905-8).
  • 10. Unter Überschußbevölkerung versteht man die zusätzliche Bevölkerung, die in der Makrobetrachtung die durchschnittliche Lebenshaltung des Individuums unter das Subsistenzminimum drückt.

906

Der Begriff Malthusianismus 1 verweist in der ursprünglichen Bedeutung auf eine bevölkerungstheoretische Richtung, die, aufbauend auf den Lehren von Malthus (905-2*), eine Begrenzung der Bevölkerungsvermehrung durch präventive Hemmnisse (905-7) anstelle von repressiven (905-6) befürwortet. Im Laufe der Zeit ist dieser Ausdruck gleichbedeutend geworden mit Neomalthusianismus 2, worunter eine Beschränkung der Bevölkerungsvermehrung mit Methoden der Geburtenkontrolle (627-3) zu verstehen ist.

  • 1. Die Begriffe Malthusianismus oder malthusianisch werden von Wirtschaftswissenschaftlern gelegentlich im Sinn von Beschränkung des Bevölkerungswachstums durch Familienplanungsprogramme zur Bewältigung wirtschaftlicher Probleme benutzt.

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Als demographischer Übergang 1 oder auch demographische Transformation 1 wird der Übergang von einer Situation, in der die Geburten- und Sterbeziffern in einer Bevölkerung relativ hoch sind, zu einer Situation mit relativ niedrigen Werten dieser Art bezeichnet - ein Vorgang, der in vielen Ländern in Verbindung mit der Ausbreitung des Industrialisierungsprozesses zu beobachten ist. Beim Übergang von der traditionellen Bevölkerungsweise 2, prätransformatorischen Phase 2 oder Vorübergangsphase 2 zur modernen Bevölkerungsweise 3, posttransformatorischen Phase 3 oder Nachübergangsphase 3 ist typischerweise eine Verzögerung des Rückgangs der Geburtenziffer gegenüber dem früher einsetzenden Sterblichkeitsrückgang festzustellen mit der Folge eines Bevölkerungswachstums der Übergangsphase 4. Die Wirtschaftswissenschaftler haben sich u.a. mit den Entwicklungen der Produktivität 5 (d.h. der Produktion pro Kopf der Bevölkerung) beschäftigt, die mit diesen Vorgängen im Zusammenhang stehen.

  • 1. Eine weitere Unterscheidung erfolgt in Fruchtbarkeitsübergang und Sterblichkeitsübergang, in der Theorie des demographischen Übergangs werden die historischen Veränderungen der Geburten- und Sterbeziffern mit Faktoren des sozio-ökonomischen Wandels im Verlauf der Industrialisierung und Verstädterung in bezug gebracht.

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