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Räumliche Mobilität

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Die Analyse der räumlichen Mobilität 1, regionalen Mobilität 1, geographischen Mobilität 1 beschäftigt sich mit den quantitativen Auswirkungen individueller Ortsveränderungen 2, Umzüge 2. Entscheidendes Kriterium einer Wanderung 3, Migration 3, ist der Wechsel des (vorwiegenden) Wohnsitzes (310-6). Häufig - aber nicht immer und nicht notwendigerweise - ist damit gleichzeitig ein Wechsel von der einen in eine andere administrative Einheit verbunden: eine Wanderung vom Herkunftsort 4, Wegzugsort 4 oder Fortzugsort 4 in den Zuzugs- 5 oder Zielort 5. Nicht unbedingt unter das Wanderungskonzept fallen Umzüge von Personen ohne festen Wohnsitz - so zählen z.B. in manchen Ländern Nomaden nicht zu den Wanderern. In der Praxis gestaltet sich die Unterscheidung zwischen relativ permanenten Änderungen des Wohnsitzes und zeitweiligen 6, vorübergehenden Ortsveränderungen 6, oft schwierig, es sei denn, die (beabsichtigte) Abwesenheitsdauer 7 vom Fortzugsort oder die Aufenthaltsdauer 8 am Zuzugsort ist bekannt. Im allgemeinen schließt die räumliche Mobilität kurzfristige Bewegungen ohne entsprechenden Wechsel des Wohnsitzes aus: Durchreisen 11, Transitreisen 11, durch ein geographisch abgegrenztes Gebiet sowie der ganze Reiseverkehr 12, Ferienverkehr 12, Urlaubsverkehr 12, Tourismus 12, werden demnach nicht der räumlichen Mobilität zugerechnet. Pendeln 9, Pendelmobilität 9 oder auch etwa Pendelwanderung 9 beinhaltet die tägliche oder wöchentliche Reise vom Wohnort an den Arbeits- oder Schulungsort. Saisonale Wanderungen 10, Saisonwanderungen 10, Saisonmobilität 10, weisen regelmäßige jahreszeitliche Schwankungen auf.

  • 1. Von der räumlichen oder regionalen Mobilität wird die soziale Mobilität (920-4) und die berufliche Mobilität (921-3) unterschieden.
  • 3. In der Schweiz werden ab 1985 die Saisonarbeiter nicht mehr bei der Wanderung einbezogen. Siehe auch 310-1 * und 801-10*.
  • 5. Bei Außenwanderungen sind die Ausdrücke Ankunfts-, Zuzugs-, Ziel-, Aufnahme- oder Einreiseland gebräuchlich.
  • 9. Der Begriff Wanderungen ist hier strenggenommen falsch, da kein Wechsel des Wohnsitzes vorgenommen wird.
  • 10. Der Ausdruck Saisonmobilität ist angebrachter als Saisonwanderungen, handelt es sich doch dabei nicht immer und notwendigerweise um einen Wohnsitzwechsel. Siehe bezüglich der Schweiz 310-1 * und 801-3*.

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Bei retrospektiven Erhebungen zum Thema Wanderungen ist die Unterscheidung zwischen dem Wohnort zu einem bestimmten früheren Zeitpunkt 1 dem letzten Wohnort 2 und dem jetzigen Wohnort 3 von Nutzen. Hat eine Person innerhalb eines bestimmten Zeitraumes ihren Wohnsitz gewechselt, so wird sie als Wanderer 4 bezeichnet. Wanderer können grundsätzlich wie folgt klassifiziert werden. Im Hinblick auf den Wegzugs- oder Fortzugsort spricht man allgemein von Abwanderern 5, Fortgezogenen 5 und von Auswanderern (803-5), falls die Abwanderer dauernd im Ausland wohnen wollen, bzw. von Emigranten 12★, falls es sich um Auswanderer aus politischen, religiösen oder ethischen Gründen handelt. Im Hinblick auf den jetzigen Ort gibt es allgemein Zuwanderer 6, Zugezogene 6, darunter Einwanderer (803-4), falls die Zuwanderer dauernd im Inland zu wohnen beabsichtigen, und, falls die Einwanderung aus politischen, religiösen oder ethischen Gründen erfolgt, Immigranten 13★. Wird bei der Erhebung nach dem letzten Wohnort gefragt, so richtet sich das Interesse auf die, wann auch immer erfolgte letzte Wanderung 7 oder den letzten Wohnungswechsel 7. Jedes Individuum, das irgendwann einmal einen anderen Wohnsitz hatte, gilt als Wanderer; diese Person also wanderte zu 8, zog zu 8, wanderte ein 8, oder immigrierte 8 (aus der Sicht des jetzigen Wohnorts) oder sie wanderte ab 9, wanderte aus 9, zog weg 9, emigrierte 9 (aus der Sicht des letzten Wohnorts) (siehe 802-5 ff). Bei einem auswärts Geborenen 11 liegt der Geburtsort 10 außerhalb der administrativen Einheit des jetzigen Wohnortes.

  • 3. Einige Autoren verstehen unter Wanderungen sämtliche Wohnungswechsel (803-6). Für die meisten jedoch gehört zum Wanderungsbegriff das Überschreiten irgendeiner Grenze, sei dies nun eine politische oder irgendeine beliebige, zu administrativen Zwecken festgelegte Grenze.
  • 4. Genau genommen darf unter diesem Konzept ein Wanderer in dem als Wanderung definierten Zeitraum weder geboren werden noch sterben. In der Praxis wird diese Definition jedoch oft abgewandelt und auf Kinder ausgedehnt, die im betreffenden Zeitraum geboren wurden; sie werden dem jeweiligen Wohnsitz ihrer Mutter zugerechnet. Die Zahl der gezählten Wanderer ist nicht notwendigerweise gleich der Anzahl Umzüge innerhalb der Beobachtungsperiode, da im entsprechenden Zeitraum jedermann mehrmals umgezogen sein könnte.
  • 10. In der Statistik wird üblicherweise als Geburtsort der Wohnsitz der Mutter eingetragen, obgleich die Geburt - aus welchen Gründen auch immer - an einem anderen Ort stattgefunden haben kann.

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Binnenwanderung 1 liegt vor, wenn Wegzugsort (801-4) und Zuzugsort (801-5) der Wanderer innerhalb desselben Staatsgebiets (305-3) liegen. Im Gegensatz dazu vollzieht sich bei internationaler Wanderung 2, in der Regel Außenwanderung 3 genannt, die Wanderung über die Staatsgrenzen. Die Außenwanderung bezieht sich auf Zuwanderung 4, Einwanderung 4, und auf Abwanderung 5, Auswanderung 5; je nachdem ist das in Frage stehende Land Zielland oder Herkunftsland (man beachte die Unterscheidungen in 802-5 ff). Umzüge innerhalb einer Gemeinde werden als Ortsumzüge 6 bezeichnet und im allgemeinen nicht in der Wanderungsstatistik erfaßt. Ortswechsel innerhalb der Staatsgrenzen, aber über die Gemeindegrenzen werden als Binnenzuwanderung 7 bzw. Binnenabwanderung 8 bezeichnet, je nachdem welche Verwaltungseinheit Zuzugs- oder Fortzugsgebiet der betreffenden Wanderer ist. Unter Wanderungsstrom 9 versteht man eine Anzahl von Wanderern mit gleicher Herkunft und gleichem Ziel. Gibt es zwischen zwei Gebieten Ströme in beiden Richtungen, so wird der größere, bedeutendere Wanderungsstrom zwischen zwei Verwaltungseinheiten Hauptstrom 10 und der kleinere Gegenstrom 11 genannt.

  • 2. u. 3. Pendeln über eine Staatsgrenze wird oft mit Grenzverkehr bezeichnet; er ist nicht Teil der Außenwanderungen.

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Wandert eine Person mehrmals innerhalb eines bestimmten Zeitraums, kann es sinnvoll sein, die Reihenfolge der Wanderungen 1 zu unterscheiden. Die Aufenthalts- oder Verweildauer 2 bezeichnet entweder das Zeitintervall zwischen Ankunft und erneutem Wegzug oder aber den seit dem letzten Umzug verflossenen Zeitraum. Unter Rückwanderung 3 versteht man die Wanderung zurück an den ursprünglichen, ersten oder zurück an den letzten Wohnort. Besteht die Tendenz, daß innerhalb relativ kleiner Zeitabschnitte mehrmals gewandert wird, handelt es sich um wiederholte Wanderung 4. Die Land-Stadt-Wanderung 5 vollzieht sich manchmal in Form der Etappenwanderung 6, Stufenwanderung 6, bei der die Wanderer ihren Wohnsitz in immer größere Städte verlegen.

  • 3. Rückwandernde Personen werden Rückwanderer genannt.
  • 5. Tritt sie massenweise auf, spricht man von Landflucht. Auch das umgekehrte Phänomen ist bekannt: die Stadt-Land-Wanderung oder - entsprechend - die Stadtflucht.

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Die Ergänzung der natürlichen oder biosozialen Bevölkerungsbewegung (201-10) im Rahmen der Bevölkerungsbewegung (201-9) insgesamt ist die räumliche Bevölkerungsbewegung 1 (siehe auch 201-11) infolge Wanderung. Hierbei handelt es sich um Nettowanderung 2, den Wanderungssaldo 2, die Wanderungsbilanz 2 - d.h. die Differenz zwischen Zuzügen 3 und Fortzügen 4. Sie kann ein positives oder negatives Vorzeichen aufweisen: Wanderungsgewinn 5, Zuwanderungsüberschuß 5, Nettozuwanderung 5 entsteht dann, wenn die Zuzüge die Fortzüge überwiegen, Wanderungsverlust 6, Abwanderungsüberschuß 6, Nettoabwanderung 6 im umgekehrten Fall. Die Summe der Zu- und Abwanderungen ist ein Maß für das Wanderungsvolumen 7; bezieht sich diese Summe auf Teilregionen eines Landes, so spricht man von Wanderungsumsatz 8. Als Nettoaustausch 9, richtungsspezifischer Wanderungssaldo 9, zwischen zwei Regionen wird die Differenz zwischen Hauptstrom (803-10) und Gegenstrom (803-11) bezeichnet; die Summe aus Haupt- und Gegenstrom ist der Bruttoaustausch 10, das richtungsspezifische Wanderungsvolumen 10.

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Spontane Wanderung 1 freiwillige Wanderung 1 oder freie Wanderung 1 hat ihren Ursprung in der Initiative und freien Wahl der Wandernden. Wandern Personen einzeln, ohne daß sie durch irgendwelche gemeinsame Aktionen oder Entschlüsse dazu getrieben werden, so spricht man von Einzelwanderung 2; wandern ganze Familien zusammen, hat sich der Begriff Familienwanderung 3 eingebürgert. Mit Familiennachzug 9★ ist eine abgeleitete Wanderung 4 oder Sekundärwanderung 4 gemeint, eine Wanderung von Individuen also, die eingeleitet oder bestimmt wird durch die Wanderung anderer Personen, z.B. der Kinder, die mit dem Familienoberhaupt mitziehen oder die ihm nachfolgen. Je nach Hauptgrund für den Umzug unterscheidet man üblicherweise zwischen Arbeitskräftewanderung 5, Heiratswanderung 6, Wanderung aus Anlaß einer Heirat 6, und Ruhestandswanderung 7 oder Altenwanderung 7. Von Kettenwanderung 8★ spricht man, wenn sich der Wanderungswillige auf einen Zielort richtet, wo Freunde und Verwandte als Wegbereiter wirken, z.B. eine Wohnung haben und/oder Informationen vermitteln und sonstige Unterstützung leisten können.

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Wandern Gruppen oder Familien gemeinsam, spricht man von einer Kollektivwanderung 1 oder Gruppenwanderung 1. Um Massenwanderung 2 handelt es sich erst, wenn die Anzahl der Wanderer sehr groß ist; tritt diese plötzlich ein, z.B. aufgrund einer Katastrophe, so mag der Begriff Massenflucht 3 Anwendung finden.

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Im Gegensatz zur freiwilligen Wanderung (806-1) liegt Zwangswanderung 1 vor, wenn Personen durch Staatsorgane zur Wanderung gezwungen werden. Beispiele von Zwangswanderungen sind zwangsweise Rückwanderungen in das Heimatland, Repatriierung 2, Rückführung in die Heimat 2, genannt, sowie die Ausweisung 3, Vertreibung 3 von Individuen oder von Bevölkerungsgruppen. Eine Evakuierung 4 wird im allgemeinen zum Schütze der Bevölkerung vor Katastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen, Kriegsgeschehen etc. angeordnet. Werden Personen zur Wanderung aus Umständen veranlaßt, die bei einem Verweilen zur Gefahr der Verfolgung oder Unterdrückung geführt hätten, so werden sie als Flüchtlinge 5 bezeichnet. Während Flüchtlinge einen gewissen Entscheidungsspielraum in der Wahl ihres Zielorts haben, sind Zwangsumsiedler 6 Wanderer, denen die Staatsorgane den Zielort vorgeschrieben haben. Dabei handelt es sich oft um eine Bevölkerungsumsiedlung 7, d.h. eine von den Staatsorganen erzwungene oder organisierte Kollektivwanderung (807-1). Eine solche Umsiedlung führt bisweilen zu einem Bevölkerungsaustausch 8 zwischen Staaten, der infolge von Grenzänderungen oder zur Lösung von Minderheitenproblemen (siehe 333-4) durchgeführt wird.

  • 5. In manchen Ländern werden Flüchtlinge, die sich um Aufnahme (Asyl) bewarben, als Asylbewerber, und denen diese Aufnahme gewährt wurde, als Asylanten bezeichnet.

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Je nach der Art und Weise, wie sich der Zugezogene den Bedingungen und Verhältnissen im Zielgebiet anpaßt, können die Naturalisierung oder Einbürgerung (331-1), d.h. der Erwerb der Bürgerrechte, die Eingliederung 1 mit Aufnahme von Wohnsitz und Erwerbstätigkeit, die Assimilation 3, Integration 3, in die bestehende Gesellschaftsstruktur unterschieden werden. Letztere bezeugt den Abschluß der Phase der Akkulturation 2 - auch kulturelle Anpassung 2 -, während der die Werte, Normen, Sitten und Bräuche der Bevölkerung des Zielgebietes allmählich angenommen werden.

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Bisweilen gruppieren sich Einwanderer aus dem gleichen Herkunftsland auf dem Gebiet des Aufnahmelandes (801-5*) und behalten ihre bisherigen Sitten und Gebräuche bei; auf diese Weise bilden sich Kolonien 1 woraus sich unter Umständen Probleme der Koexistenz 2, des Zusammenlebens 2, der verschiedenen Bevölkerungsgruppen ergeben. Es kann eventuell zur Verschmelzung 3 der verschiedenen Bevölkerungsgruppen kommen, wobei sich deren erkennbare und sichtbare Unterschiede langsam auflösen, oder zur Integration 4 der einen Bevölkerungsgruppe in die andere. Wenn die in einem Gebiet lebenden Bevölkerungsgruppen durch kulturelle oder gesetzliche Schranken getrennt bleiben, besteht Segregation 5.

  • 5. Dies kann zu vielfältigen Konflikten und in extremen Fällen sogar zu Völkermord führen, dann nämlich, wenn eine Bevölkerungsgruppe die andere auszurotten versucht.

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Die Wanderungspolitik 1 bildet einen Zweig der Bevölkerungspolitik (105-2). Die meisten Länder schränken heute die freie Zuwanderung von Ausländern durch Einwanderungsgesetze 2 ein. Häufig sehen diese Gesetze eine selektive Einwanderungsgesetze 3 vor, d.h. Einwanderer mit bestimmten Eigenschaften (z.B. Beruf, Nationalität, Rasse) werden teils bevorzugt behandelt oder teils gänzlich von der Einwanderung ausgeschlossen. Einige Länder sehen eine Kontingentierung 4 vor. Bei diesem sog. Quotensystem 4 wird die Anzahl der Zuwanderer entsprechend ihrer nationalen Herkunft 5 und/oder anderer selektiver Kriterien (vgl. 811-3) festgelegt. Maßnahmen zur Beeinflussung der Bevölkerungsumverteilung 6 innerhalb eines Landes durch Binnenwanderung (803-1) sind hingegen meist indirekter Natur (z.B. Anreize).

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