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Eheschliessung und Ehelösung

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Untersuchungen zur Heiratshäufigkeit 1, Nuptialität 1 beziehen sich im wesentlichen auf (rechtsgültige) Ehen 2, d.h. auf dauerhafte Verbindungen 3 oder Lebensgemeinschaften 3 zwischen Personen verschiedenen Geschlechts, deren äußere Form durch Gesetz oder Gewohnheitsrecht vorgegeben ist und aus denen sich besondere Rechte und Pflichten für die betroffenen Personen ergeben. In den meisten Gesellschaften werden diese Verbindungen durch eine spezielle, durch Gesetz oder Brauchtum vorgeschriebene Zeremonie oder einen formellen Akt, die Eheschließung 4 -auch Heirat 4, Hochzeit 4, Verehelichung 4, Vermählung 4 oder Trauung 4 genannt -, geschlossen. Die durch die Eheschließung verbundenen Personen heißen Ehepartner 5 oder Ehegatten 5. In einer Unterscheidung nach dem Geschlecht spricht man vom Ehemann 6 bzw. der Ehefrau 7; beide zusammen bilden ein Ehepaar 8. Als Grundlage für Untersuchungen zur Eheschließung und Ehelösung wird die Häufigkeit von Eheschließungen und der verschiedenen Arten der Beendigung ehelicher Lebensgemeinschaften im Zusammenhang mit den soziodemographischen Merkmalen der betroffenen Personen beobachtet. Weiter gefaßt, werden - sofern möglich - manchmal auch andere, nichteheliche Formen des Zusammenlebens als Paar (503-8) in die Betrachtung einbezogen, vor allem in Ländern, wo derartige Lebensgemeinschaften so weit verbreitet sind, daß ihre Berücksichtigung unerläßlich erscheint.

  • 1. Der Begriff Heiratshäufigkeit wird gelegentlich auch im Sinne von (roher) Heiratsziffer (520-2) verwendet. 6 u.7. Häufig auch als Ehegatte bzw. Ehegattin bezeichnet. Vor, während und kurz nach der Eheschließung wird der Mann als Bräutigam, die Frau als Braut bezeichnet.

502

Ehegesetzgebungen 1 und Heiratssitten 2 weisen weltweit gesehen eine große Vielfalt auf. Eine Gesellschaft, in welcher eine Person zu gleicher Zeit nur mit einem einzigen Ehepartner (501-5) verheiratet sein kann, wird monogam 3 genannt. Gesellschaften, in denen eine Person gleichzeitig mit mehreren Ehepartnern verheiratet sein kann, werden polygam 4 genannt. Unter den polygamen Gesellschaften unterscheidet man die polyandrischen 5, in denen eine Frau gleichzeitig mehrere Ehemänner (501-6) haben kann, von den polygynen 6, wo ein Mann gleichzeitig mit mehreren Ehefrauen (501-7) verheiratet sein kann. Die Begriffe polygam, Polygamie werden häufig ungenau im Sinne von polygyn, Polygynie verwendet.

  • 3. Monogamie: Einehe.
  • 4. Polygamie: Vielehe.
  • 5. Polyandrie: Vielmännerei.
  • 6. Polygynie: Vielweiberei.

503

In manchen Ländern wird nur der vom Staat geregelten standesamtlichen Eheschließung 1, Ziviltrauung (CH) 1, eine rechtliche Wirkung zugemessen. In anderen Ländern wird die von einer Kirche geregelte kirchliche Trauung 2 als rechtswirksam anerkannt. Unter landesspezifischen Bedingungen kann in gewissen Ländern auch dauerhaften Verbindungen, die nicht durch eine gesetzliche oder kirchliche Zeremonie geschlossen worden sind, eine soziale oder gesetzliche Anerkennung zugestanden werden, wie z.B. gewohnheitsrechtlichen Eheschließungen 3 oder Common-Law-Eheschließungen 3 gemäß lokalen oder Stammestraditionen. Für eine auf Dauer angelegte formlose Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau, d.h. für eine Lebensgemeinschaft, deren Bildung durch keinerlei formellen Akt und auch keine andere Zeremonie zustandegekommen ist, finden sich verschiedene Ausdrücke. Sie reichen von unverheiratetem Zusammenleben 4, nichtehelicher Lebensgemeinschaft 4, eheähnlicher Lebensgemeinschaft 4, bis zu Konkubinat 6 und wilder Ehe 5, wobei die genannten Begriffe unterschiedliche Grade der sozialen Akzeptanz wiederspiegeln. Die erstgenannten Bezeichnungen (503-4) haben einen eher positiven Charakter und werden daher in Gesellschaften bevorzugt, wo diese Lebensform weit verbreitet und im allgemeinen sozial akzeptiert ist, während anderenfalls vermehrt die eher negativ gefärbten, letztgenannten Begriffe (503-5) verwendet werden. Den dauerhaften Verbindungen stehen die zeitweiligen Verbindungen 6 oder vorübergehenden Verbindungen 6 mit oder ohne Zusammenwohnen 7 gegenüber. Zwei Personen verschiedenen Geschlechts, die in einer dauerhaften Verbindung leben, werden unabhängig davon, ob sie miteinander verheiratet sind oder nicht, als Paar 8 bezeichnet.

  • 4. u. 5. Die Bedeutung derartiger Formen des Zusammenlebens ist von Land zu Land sehr verschieden. Unter bestimmten Rechtsordnungen und besonders in polygynen (502-6) Gesellschaften ist eine Konkubine eine Frau mit einem akzeptierten Familienstand, welcher dem einer gesetzlich anerkannten Ehefrau jedoch nachgeordnet ist. In anderen Gesellschaften wird diese Bezeichnung in einem anderen - und zwar meist abfälligen - Sinn für jede Frau verwendet, die in Geschlechtsgemeinschaft mit einem Mann zusammenlebt, mit dem sie nicht verheiratet ist. Heutzutage haben sich jedoch Begriffe wie Lebensgefährtin, Partnerin oder Freundin weitgehend durchgesetzt, die auch in der männlichen Form (Lebensgefährte, Partner, Freund) gebraucht werden. Das unverheiratete Zusammenleben eines Mannes und einer Frau mit dem Ziel einer eventuellen späteren Eheschließung wird gelegentlich auch als Probe-Ehe bezeichnet.

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In den meisten Ländern ist die Eheschließung (501-4) vor Erreichung eines gesetzlich festgelegten Ehemündigkeitsalters 1, Mindestheiratsalters 1, Alters der Heirats 1 oder Ehefähigkeit 1 im allgemeinen nicht erlaubt. Dieses Ehemündigkeitsalter ist von Land zu Land verschieden und kann für Männer und Frauen unterschiedlich sein. Gesetz oder Sitte sprechen aber häufig auch andere Heiratsverbote aus, insbesondere um Heiraten zwischen Blutsverwandten 2 zu verhindern, d.h. Eheschließungen zwischen nahen Verwandten (114-3), bei denen ein bestimmter Grad von Blutsverwandtschaft 3 vorliegt.

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In manchen Ländern kann eine Ehe nur geschlossen werden, wenn während einer gewissen Zeit vorher ein Aufgebot 1 öffentlich ausgehängt war. Der Zweck dieser Bestimmung ist, die beabsichtigte Eheschließung(501-4) der Öffentlichkeit bekanntzumachen, um im Fall des Vorliegens von Ehehindernissen Dritten die Möglichkeit zum Einspruch zu geben. In vielen Ländern ist ein Ehefähigkeitszeugnis 2, amtliche Ehegenehmigung 2, erforderlich, bevor die Heirat stattfinden kann. Eine Heiratsurkunde 3, Trauschein 3, wird gewöhnlich dem neuverheirateten Paar 4 - auch Hochzeitspaar 4 genannt - nach der Eheschließungszeremonie ausgehändigt. Die Begriffe Vollziehung der Ehe 5, vollzogene Ehe 5, bedeuten, daß es zwischen den Ehepartnern (501-5) zur sexuellen Vereinigung gekommen ist.

  • 1. Die zukünftigen Ehepartner gelten als verlobt oder als Verlobte (f rz.: fiancés), wenn sie das Aufgebot bestellt oder sich ein mehr oder weniger förmliches gegenseitiges Heiratsversprechen (Verlobung ; frz.: fiançailles) gegeben haben.
  • 2. In der Bundesrepublik Deutschland wird i.d.R. ein von den Behörden ihres Heimatlandes ausgestelltes Ehefähigkeitszeugnis für Ausländer verlangt, in dem bescheinigt wird, daß der in der Bundesrepublik Deutschland beabsichtigten Eheschließung eines Ausländers kein in den Gesetzen des Heimatlandes begründetes Ehehindernis entgegensteht.
  • 4. Am Tag der Eheschließung oder eine gewisse Zeit vorher wird ein Mann Bräutigam (engl.: bridegroom, groom) und eine Frau Braut (engl.: bride) genannt; beide zusammen werden als Brautleute bezeichnet. Von einem Brautpaar spricht man nur am Hochzeitstag.

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Endogamie 1 im engeren Sinne bedeutet, daß Heiraten (501-4) nur zwischen Angehörigen der gleichen Bevölkerungsgruppe (Stamm, Clan) stattfinden dürfen. Im weiteren Sinne spricht man von Endogamie, wenn eine deutliche Neigung der Angehörigen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe besteht, ihren Ehepartner (501-5) nur unter den Mitgliedern dieser gleichen Bevölkerungsgruppe zu wählen. Diese wird dann als Isolat 2 bezeichnet, dessen mehr oder weniger klare Grenzen geographischer, sozialer, religiöser usw. Natur sein können. Im Gegensatz dazu spricht man von Exogamie 3, wenn die Partnerwahl (514-6) vorzugsweise außerhalb der Bevölkerungsgruppe, der die heiratende Person selbst angehört, erfolgt, wobei Exogamie im engeren Sinne ein Heiratsverbot zwischen Angehörigen der gleichen Bevölkerungsgruppe (Stamm, Clan) bedeutet. Gemischte Ehen 4 oder Mischehen 4 sind Ehen zwischen Partnern, die sich durch ein Merkmal wie Religionszugehörigkeit (vgl. §341), Staatsangehörigkeit (vgl. §330), Rasse (vgl. §333) usw. unterscheiden. Wenn Ehen zwischen Personen geschlossen werden, die gewisse gemeinsame Merkmale sozialer, physischer oder psychischer Art aufweisen, wird von Homogamie 5 gesprochen, anderenfalls von Heterogamie 6.

  • 2. Isolate bildende Bevölkerungsgruppen haben im allgemeinen einen zahlenmäßig beschränkten Umfang.
  • 4. Adjektivisch als gemischt-konfessionelle, gemischt-nationale usw. Ehen bezeichnet.

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