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Unter dem Oberbegriff Morbidität 1 werden ganz allgemein Krankheiten 2 in einer Bevölkerung untersucht. Zwei verschiedene Aspekte sind dabei zu berücksichtigen: die Krankheitsinzidenz 3, Erkrankungshäufigkeit 3, und die Krankheitsprävalenz 4 Krankheitshäufigkeit 4, je nachdem ob nur neu eingetretene Krankheitsfälle 5, Erkrankungsfälle 6, im Sinne einer Ereignismasse oder aber alle zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitraum bestehenden Krankheitsfälle bzw. kranken Personen (Bestandsmasse) betrachtet werden. Ein kritischer Punkt für die Erhebung und Aufbereitung von Morbiditätsstatistiken 6 besteht darin, daß eine strenge Grenzlinie zwischen den Zuständen Gesundheit und Krankheit 7 meist nicht gezogen werden kann. Nosologie 8 und Nosographie 9 tragen zur Definition, Klassifizierung bzw. Beschreibung von Krankheiten bei.

  • 4. Je nach der Länge des Berichtszeitraumes wird bei der Krankheitsprävalenz zwischen einer Stichtagsprävalenz (engl.: point prevalence) und einer Zeitraumprävalenz (engl.: period prevalence) unterschieden.

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Die Statistik des Gesundheitswesens 1 -auch Gesundheitsstatistik 1 oder Medizinalstatistik 1 genannt - schließt die Morbiditäts-statistik ein, erstreckt sich aber auch auf die Erfassung weiterer gesundheitsrelevanter Aspekte einer Bevölkerung. Im allgemeinen gehört dazu auch die Statistik der Sterblichkeit nach Todesursachen 2 oder der todesursachenspezifischen Sterblichkeit 2. Die Klassifikation von Sterbefällen nach Todesursachen 3 wird dadurch erschwert, daß in vielen Fällen - insbesondere bei älteren Menschen -nicht eine alleinige Todesursache 4 (Unikausalität 4) vorliegt, sondern multiple Todesursachen 5 bzw. zusammenhängende, komplexe Todesursachen 5 zusammenwirken, also eigentlich von einer Multikausalität 5 auszugehen ist. Gemäß einer Kausalkette bietet sich dann eine Unterscheidung an zwischen dem unmittelbar zum Tode führenden Leiden 6 (direkte Ursache 6) und den vorausgegangenen Ursachen einschließlich des Grundleidens 7 (ursprüngliche Ursache 7). Unter einem anderen Blickwinkel kann auch zwischen der Haupttodesursache 8, primären Todesursache 8, und den Neben- oder Begleitleiden 9, sekundären Todesursachen 9, konkomitierenden Todesursachen 9, unterschieden werden. Todesursachenspezifische Sterbeziffern 10 werden üblicherweise je 100 000 Einwohner berechnet. Das Verhältnis der Zahl der Sterbefälle an bestimmten Todesursachen zu der Gesamtzahl der Sterbefälle (alle Todesursachen) wird als Anteil der Sterbefälle nach Todesursachen 11 oder als Todesursachenquote 11 bezeichnet und meist als Prozentwert dargestellt. Eine derartige prozentuale Verteilung der Sterbefälle nach Todesursachen gibt Aufschluß über die Todesursachenstruktur 12★ z.B. in einer bestimmten Altersgruppe oder in der Gesamtbevölkerung.

  • 2. Kurz auch Todesursachenstatistik genannt. Um die internationale Vergleichbarkeit von Todesursachenstatistiken zu erleichtern, werden in den meisten Ländern die Todesursachen nach den Positionen der Internationalen Klassifikation der Krankheiten, Verletzungen und Todesursachen (ICD) verschlüsselt, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben wird.

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Tod oder Arbeitsunfähigkeit (426-2) können die Folge von Krankheiten (420-2) oder von Verletzungen 1 bzw. Vergiftungen 2 sein, welche ihrerseits wiederum durch Unfälle 3 oder (sonstige) Gewalteinwirkungen 4 verursacht werden. Bei Gewaltein Wirkungen wird normalerweise zwischen Selbstmorden 5 und Selbstmordversuchen 5 bzw. Selbstbeschädigungen 5 einerseits und Mord 6, Totschlag 6 und vorsätzlichen Verletzungen und Vergiftungen durch eine andere Person 6 an dererseits unterschieden. Kriegssterbefälle 7 und Kriegsverletzungen 7 (Schadensfälle bei Kriegshandlungen 7) werden im allgemeinen gesondert ausgewiesen.

  • 3. Besondere Berücksichtigung erfahren heute die Verkehrsunfälle.
  • 6. Fahrlässige Tötung wird in der Todesursachenstatistik im allgemeinen der Unfallsterblichkeit zugerechnet.

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Als Endemie 1 wird eine Krankheit (420-2) bezeichnet, von der ständig weite Bevölkerungskreise betroffen sind, im Gegensatz zu einer Epidemie 2, die sich innerhalb einer relativ kurzen Zeit ausbreitet und auch wieder verschwindet. Eine Epidemie, die in einer Vielzahl von Ländern auftritt, wird Pandemie 3 genannt. Gewisse infektiöse Krankheiten 4 oder übertragbare Krankheiten 4 sind Gegenstand besonderer Maßnahmen, da sie sich unter Umständen schnell ausbreiten können. Man spricht dann von epidemischen Krankheiten 6 oder auch von Seuchen 5, die durch spezielle Statistiken - die Statistiken der epidemischen Krankheiten 6, Seuchenstatistiken 6 - erhoben werden. Die statistische Erfassung wird dadurch erleichtert, daß die meisten dieser Krankheiten in vielen Ländern der gesetzlichen Meldepflicht unterliegen; sie werden dann auch als meldepflichtige Krankheiten 7 bezeichnet. Nach der Art ihres gewöhnlichen Verlaufs wird manchmal zwischen chronischen Krankheiten 8 und akuten Krankheiten 9 unterschieden. Diese Begriffe sind nicht eindeutig definiert, aber unter akuten Krankheiten werden im allgemeinen solche mit plötzlichem Entstehen und von kurzer Dauer verstanden (schneller Verlauf), während sich chronische Krankheiten i.d.R. langsam entwickeln und lange andauern (langsamer Verlauf).

  • 4. Die Begriffe übertragbare Krankheiten, ansteckende Krankheiten und infektiöse Krankheiten sind nicht gleichbedeutend. Eine ansteckende Krankheit kann nur direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Malaria, eine übertragbare Krankheit, ist dagegen nicht ansteckend. Andererseits sind manche infektiösen Krankheiten nicht zu den übertragbaren Krankheiten zu rechnen.
  • 6. Die Epidemiologie beinhaltet auch die Untersuchung von Zusammenhängen zwischen einem biologischen oder medizinischen Phänomen und verschiedenen anderen Faktoren, wie z.B. dem Tabakkonsum in der „Epidemiologie des Lungenkrebses” oder die statistische Analyse geographischer Unterschiede in gesundheitsrelevanten Tatbeständen.

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Gewisse Aspekte der Sterblichkeit sind in der Demographie von besonderem Interesse: die endogene Sterblichkeit 1 die zurückzuführen ist auf die genetische Konstitution des Individuums, auf angeborene Mißbildungen 2, kongenitale Anomalien 2, Geburtsverletzungen oder degenerative Krankheiten (420-2), welche mit dem Alterungsprozeß des Organismus verbunden sind. Die exogene Sterblichkeit 3 ist im Gegensatz dazu durch äußere Ursachen bedingt, wie z.B. parasitäre oder infektiöse Krankheiten (423-4) und Unfallverletzungen (mit Ausnahme der Geburtsverletzungen von Neugeborenen). Eine besondere Beachtung wird auch allen jenen Krankheiten und Verletzungen (422-1) beigemessen, die im Zusammenhang mit Schwangerschaft (602-5), Entbindung (603-4) und dem Wochenbett (603-6) auftreten. Die Sterblichkeit an diesen Todesursachen (421-3) wird zur Müttersterblichkeit 5 zusammengefaßt, und die Müttersterbeziffer 6 läßt sich berechnen, indem die Zahl der Müttersterbefälle eines Jahres auf die Zahl der Geburten dieses Jahres bezogen wird. Ferner ist auch die Sterblichkeit an Altersschwäche 7 oder Senilität 7 von Bedeutung, allerdings wird ein zu hoher Anteil der dieser Todesursache in den obersten Altersgruppen zugeschriebenen Sterbefälle oft auch als Anzeichen für die mangelnde Qualität der entsprechenden Todesursachenstatistik (421-2*) gewertet.

1 u. 3. Diese Unterscheidung zwischen der Sterblichkeit durch endogene und durch exogene Verursachung wird vor allem bei französischen Untersuchungen zur Säuglingssterblichkeit (410-1) verwendet, die dann in endogene Säuglingssterblichkeit und exogene Säuglingssterblichkeit unterteilt wird.

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Die wichtigsten Maßzahlen der Morbidität 1 (420-1), gelegentlich Morbiditätsziffern 1 genannt, beziehen sich auf drei Aspekte: die Häufigkeit, die Dauer und die Schwere von Krankheiten. Diese Maßzahlen (132-4) können entweder für einzelne Krankheiten (420-2) allein oder für die Gesamtheit der Krankheiten berechnet werden. Zwei Maßzahlen für die Häufigkeit von Krankheiten sind zum einen die Erkrankungsziffer 2, Krankheitsinzidenzziffer 2, relative Erkrankungshäufigkeit 2, welche sich in Analogie zur Sterbeziffer (401-2) durch Beziehung der in einem bestimmten Zeitraum beobachteten Zahl neuer Krankheitsfälle (420-5, Neuerkrankungen) auf den durchschnittlichen Stand der zugehörigen Bevölkerung(sgruppe) ergibt, und zum anderen die relative Krankheitshäufigkeit 3, Krankenstandsquote 3, d.h. der an einem Stichtag oder innerhalb eines bestimmten Berichtszeitraums ermittelte Anteil kranker Personen 3 oder von Krankheitsfällen in der betrachteten Bevölkerung(sgruppe). Die Krankheitsdauer kann sowohl durch die durchschnittliche Krankheitsdauer je Krankheitsfall 4 als auch durch die durchschnittliche Zahl der Krankheitstage 5 gemessen werden; die erstgenannte Maßzahl bezieht die Gesamtzahl der Krankheitstage auf die Gesamtzahl der Krankheitsfälle, die zweitgenannte bezieht diese Zahl der Krankheitstage auf die durchschnittliche Bevölkerung (401-5) des jeweiligen Jahres. Als Maßzahl für die Schwere von Krankheiten kann die Letalitätsquote 6 dienen, welche Aufschluß über die Häufigkeit von Sterbefällen (401-3) unter den erkrankten Personen gibt, oder genauer über den Anteil der Fälle mit tödlichem Ausgang an den registrierten Krankheitsfällen.

  • 3. Man findet hierfür gelegentlich auch die Bezeichnung Krankheitsprävalenzziffer, die den gemeinten Sachverhalt jedoch weniger präzise beschreibt als die Begriffe relative Krankheitshäufigkeit oder Anteil kranker Personen.
  • 4. Bei der Berechnung werden gewöhnlich nur Erkrankungen berücksichtigt, deren Dauer eine bestimmte Karenzzeitüberschreitet; diese Karenzzeiten- meist 1 bis 3 Tage - ergeben sich aus den für die Krankenversicherungssysteme getroffenen gesetzlichen Regelungen über Arbeitsunfähigkeitsmeldungen (vgl. §426).

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Als gesundheitliche Beeinträchtigung 1 läßt sich allgemein jede physische, funktionale oder psychische Schwächung bezeichnen, die von einer Krankheit (420-2), Verletzung (422-1) oder angeborenen bzw. erblichen Mißbildung (424-2) herrührt. Krankheiten und Unfälle (422-3) können dazu führen, daß eine Person nicht mehr in der Lage ist, ihre gewohnte Tätigkeit zu verrichten oder an den normalen Lebensaktivitäten teilzunehmen; diese Arbeitsunfähigkeit 2 kann sich vollständig oder nur partiell auswirken. Von Arbeitsunfähigkeit spricht man aber nur innerhalb einer gewissen zeitlichen Grenze. Dauernde Arbeitsunfähigkeit 3 stellt dagegen einen irreversiblen Zustand dar, es handelt sich dann sozialrechtlich um Berufsunfähigkeit 7★ oder Erwerbsunfähigkeit 8★, auch Invalidität 4 genannt. Die Wahrscheinlichkeit, daß eine gesunde Person im genauen Alter von x Jahren im darauffolgenden Altersjahr oder im Verlauf von n Jahren nach dem genauen Alter x auf Dauer arbeitsunfähig wird, wird als Invalidisierungsrisiko 5 bezeichnet. Auf der Grundlage derartiger Wahrscheinlichkeiten lassen sich sogenannte Invaliditätstafeln 6 aufstellen, bei denen das Modell der Sterbetafel (432-1) eine spezielle Anwendung findet.

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