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Allgemeines

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Die Demographie 1, im deutschsprachigen Raum auch als Bevölkerungswissenschaft im engeren Sinne 1 bezeichnet, befaßt sich überwiegend quantitativ mit der wissenschaftlichen Untersuchung menschlicher Bevölkerungen hinsichtlich ihrer Größe, Struktur 2, Entwicklung und ihrer allgemeinen Merkmale. Sie ist die Kerndisziplin der Bevölkerungswissenschaft im weiteren Sinne 8★, zu der als interdisziplinärem Fach auch Bindestrichdisziplinen, wie die Bevölkerungsökonomie (104-1), die Bevölkerungssoziologie (104-2), die Bevölkerungsgenetik (104-4), die historische Demographie (102-1), die Bevölkerungsmathematik (102-6) sowie Beiträge aus der Rechtswissenschaft, der Medizin, der Psychologie, der Geographie, der Philosophie zählen. In statistischer Terminologie kann jede Gesamtheit einzelner Einheiten als Population 3 bezeichnet werden und ist dann begrifflich mit Gesamtheit 3, Grundgesamtheit 3, Masse 3, Kollektiv 3 synonym. Im bevölkerungswissenschaftlichen Sprachgebrauch bedeutet Bevölkerung 4 die Gesamtheit der Einwohner 5 eines bestimmten Gebietes, bisweilen auch nur einen Teil der Einwohner (z.B.: Bevölkerung im schulpflichtigen Alter (346-7); heiratsfähige Bevölkerung (514-2)), wobei es genauer ist, dann von einer Teilbevölkerung 6 oder Bevölkerungsgruppe 6 zu sprechen. Mit dem Begriff Bevölkerung 7 ist häufig die Bevölkerungszahl 7, die Bevölkerungsgröße 7, der Bevölkerungsumfang 7, also die Anzahl der Einwohner der unter 101-4 genannten Gesamtheit Bevölkerung gemeint.

  • 1. Das Adjektiv demographisch kann in manchen zusammengesetzten Substantiven anstelle von Bevölkerung benutzt werden.
  • 3. Im Englischen und Französischen besteht die Möglichkeit, die Begriffe „Gesamtheit” und „Bevölkerung” zu verwechseln, da beide „Population” lauten.
  • 4. Im 18. Jahrhundert hatte der Begriff Bevölkerung auch eine dynamische Bedeutung im Sinne von Peuplierung, „bevölkern”.

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Einige Teilgebiete der Demographie haben bezüglich ihres Gegenstandes oder ihrer Methodologie eine spezielle Bezeichnung erhalten. Die historische Demographie 1 befaßt sich mit Bevölkerungen der Vergangenheit, für die schriftliche Quellen verfügbar sind. Fehlen solche Quellen, bezeichnet man das Studium solcher alten Bevölkerungen als Paläodemographie 2. Die deskriptive (beschreibende) Demographie 3 befaßt sich mit der Größe, der regionalen Verteilung, der Struktur und der Entwicklung der Bevölkerung in rein beschreibender Weise und bedient sich dabei im wesentlichen der Bevölkerungsstatistiken 4. Die theoretische Demographie 5 widmet sich einer allgemeinen, abstrakten Betrachtungsweise von formalen Relationen zwischen demographischen Tatbeständen; wegen der Anwendung verschiedener mathematischer Methoden ist sie praktisch mit der Bevölkerungsmathematik 6 identisch. Eine wissenschaftliche Arbeit über eine konkrete Bevölkerung mit Hilfe des Instrumentariums der demographischen Analyse (103-1) wird oft eine demographische Studie 7 oder demographische Untersuchung 7 genannt. Diese Studie kann die demographische Lage 8, demographische Situation 8, d.h. die Entwicklung von Bevölkerungsstand und -bewegung während einer relativ kurzen und nicht lange zurückliegenden Periode behandeln. Alle bisher genannten Teilgebiete messen den numerischen Aspekten der untersuchten Phänomene die Hauptbedeutung bei. Sie werden deshalb als formale Demographie 9, quantitative Demographie 9, im deutschsprachigen Raum meist sogar nur als Demographie (101-1) bezeichnet. Dagegen umfaßt der breitere Begriff Bevölkerungswissenschaft (101-8) auch Arbeiten über die Beziehungen zwischen demographischen Phänomenen einerseits und gesellschaftlichen, ökonomischen und anderen Phänomenen andererseits, die dann als bevölkerungswissenschaftliche Studie 10 oder bevölkerungswissenschaftliche Untersuchung 10 zu bezeichnen sind.

  • 8. Der entsprechende französische Begriff lautet „conjoncture démographique”.

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Die demographische Analyse 1 ist jener Teil der Demographie, dessen Aufgabe es ist, die demographischen Phänomene 2 unter Berücksichtigung von Bevölkerungszahl (101-7) und ihren Strukturen so zu untersuchen, daß die Effekte jedes demographischen Phänomens von den Effekten anderer demographischer Phänomene, die in diesem Fall Störphänomene 3 genannt werden, isoliert und die Ergebnisse relativiert und damit kontrolliert werden. Sie untersucht auch die gegenseitigen Beziehungen verschiedener demographischer Variablen und ihre Auswirkungen auf Stand und Struktur der Bevölkerung. Man unterscheidet einerseits die Längsschnittuntersuchung 4 Longitudinaluntersuchung 4, Generationenbetrachtung 4, Kohortenanalyse 4, die eine genau definierte Gruppe, hierbei Kohorte, Jahrgang, Jahrgangsgruppe (116-2) oder Generation, Geburtsjahrgang (116-1) genannt, im Zeitverlauf verfolgt, und andererseits die Querschnittuntersuchung 5, Periodenbetrachtung 5, Periodenanalyse 5, die sich demographischen Tatbeständen widmet, die sich während eines bestimmten Zeitintervalls (z.B. einem Kalenderjahr) an mehreren Kohorten nebeneinander gleichzeitig ereignet haben.

  • 3. Häufig werden hierbei Verhaltenseffekte von Struktureffekten getrennt.
  • 4. Werden dieselben Personen im Zeitablauf wiederholt befragt, so handelt es sich um eine Paneluntersuchung, die eine echte Längsschnittuntersuchung ist. Eine andere Möglichkeit der echten Längsschnittuntersuchung besteht in der individuellen Zusammenführung von Daten aus unterschiedlichen Quellen (record linkage, matching). Die oben definierte Vorgehensweise beschreibt dagegen die Quasi-Längsschnittuntersuchung. Sie bezieht sich auf Aggregate von im Zeitablauf nicht unbedingt identischen Personen mit einem oder mehreren gemeinsamen Merkmalen (z.B. Geburtsjahr).

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Die Bevölkerungswissenschaft umfaßt über die Demographie hinaus außerdem die Untersuchung der Beziehungen zwischen demographischen Tatbeständen einerseits und ökonomischen und gesellschaftlichen andererseits unter den Bezeichnungen Bevölkerungsökonomie 1, auch Demoökonomie 1, bzw. Bevölkerungssoziologie 2. In der Bevölkerungswissenschaft befaßt man sich auch mit qualitativen Merkmalen der Bevölkerung 3, worunter eine ganze Reihe von sozialen und persönlichen Merkmalen zu verstehen ist. Unter qualitativer Demographie 3 wurde früher im wesentlichen die Bevölkerungsgenetik 4 verstanden, obwohl sich diese lediglich mit der Verteilung und Weitergabe von vererbbaren (erblichen) Merkmalen (910-3) beschäftigt. Die Sozialökologie 5, die die regionale, räumliche Verteilung und die Organisation von Gemeinschaften unter Beachtung des Vorkommens kooperativer und kompetitiver Prozesse erforscht, hat einen Teil ihres Untersuchungsgegenstandes mit der Bevölkerungswissenschaft gemein. Noch mehr decken sich die Forschungsfelder und die Methoden der Demographie und der Bevölkerungsgeographie 7★. Auch die Biometrie 6 und die Epidemiologie 8★, die unter Anwendung statistischer Methoden biologische bzw. medizinische Forschung betreiben, haben mit der Bevölkerungswissenschaft wesentliche Berührungspunkte.

  • 4. Bevölkerungsgenetik ist begrifflich scharf von Humangenetik zu trennen; letztere untersucht die Vererbung von Genen, während erstere sich mit der genetisehen Struktur der Bevölkerung befaßt. Der Begriff Bevölkerungsgenetik kann sich auch auf das Studium von Pflanzen- oder Tierbevölkerungen beziehen.

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Die Bevölkerungswissenschaft schließt auch das Studium der Bevölkerungstheorien 1 ein, die es sich zur Aufgabe machen, mittels ökonomischer, soziologischer und anderer Überlegungen die Entwicklung demographischer Tatbestände zu erklären, vorauszusagen und ihre Folgen offen zu legen. Diese Theorien können gegebenenfalls als Grundlage für die Formulierung einer Bevölkerungspolitik 2 dienen (siehe auch §930). Dabei handelt es sich um Maßnahmen zur Beeinflussung von demographischen Veränderungen, wobei sich die Demographen um eine Wirksamkeitsanalyse bemühen.

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