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Mehrsprachiges Demographisches Wörterbuch (zweite Ausgabe 1987)

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Allgemeines

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Die Demographie1, im deutschsprachigen Raum auch als Bevölkerungswissenschaft im engeren Sinne1 bezeichnet, befaßt sich überwiegend quantitativ mit der wissenschaftlichen Untersuchung menschlicher Bevölkerungen hinsichtlich ihrer Größe, Struktur2, Entwicklung und ihrer allgemeinen Merkmale. Sie ist die Kerndisziplin der Bevölkerungswissenschaft im weiteren Sinne 8★, zu der als interdisziplinärem Fach auch Bindestrichdisziplinen, wie die Bevölkerungsökonomie (104-1), die Bevölkerungssoziologie (104-2), die Bevölkerungsgenetik (104-4), die historische Demographie (102-1), die Bevölkerungsmathematik (102-6) sowie Beiträge aus der Rechtswissenschaft, der Medizin, der Psychologie, der Geographie, der Philosophie zählen. In statistischer Terminologie kann jede Gesamtheit einzelner Einheiten als Population3 bezeichnet werden und ist dann begrifflich mit Gesamtheit3, Grundgesamtheit3, Masse3, Kollektiv3 synonym. Im bevölkerungswissenschaftlichen Sprachgebrauch bedeutet Bevölkerung4 die Gesamtheit der Einwohner5 eines bestimmten Gebietes, bisweilen auch nur einen Teil der Einwohner (z.B.: Bevölkerung im schulpflichtigen Alter (346-7); heiratsfähige Bevölkerung (514-2)), wobei es genauer ist, dann von einer Teilbevölkerung6 oder Bevölkerungsgruppe6 zu sprechen. Mit dem Begriff Bevölkerung7 ist häufig die Bevölkerungszahl7, die Bevölkerungsgröße7, der Bevölkerungsumfang7, also die Anzahl der Einwohner der unter 101-4 genannten Gesamtheit Bevölkerung gemeint.

  • 1. Das Adjektiv demographisch kann in manchen zusammengesetzten Substantiven anstelle von Bevölkerung benutzt werden.
  • 3. Im Englischen und Französischen besteht die Möglichkeit, die Begriffe „Gesamtheit” und „Bevölkerung” zu verwechseln, da beide „Population” lauten.
  • 4. Im 18. Jahrhundert hatte der Begriff Bevölkerung auch eine dynamische Bedeutung im Sinne von Peuplierung, „bevölkern”.

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Einige Teilgebiete der Demographie haben bezüglich ihres Gegenstandes oder ihrer Methodologie eine spezielle Bezeichnung erhalten. Die historische Demographie1 befaßt sich mit Bevölkerungen der Vergangenheit, für die schriftliche Quellen verfügbar sind. Fehlen solche Quellen, bezeichnet man das Studium solcher alten Bevölkerungen als Paläodemographie2. Die deskriptive (beschreibende) Demographie3 befaßt sich mit der Größe, der regionalen Verteilung, der Struktur und der Entwicklung der Bevölkerung in rein beschreibender Weise und bedient sich dabei im wesentlichen der Bevölkerungsstatistiken4. Die theoretische Demographie5 widmet sich einer allgemeinen, abstrakten Betrachtungsweise von formalen Relationen zwischen demographischen Tatbeständen; wegen der Anwendung verschiedener mathematischer Methoden ist sie praktisch mit der Bevölkerungsmathematik6 identisch. Eine wissenschaftliche Arbeit über eine konkrete Bevölkerung mit Hilfe des Instrumentariums der demographischen Analyse (103-1) wird oft eine demographische Studie7 oder demographische Untersuchung7 genannt. Diese Studie kann die demographische Lage8, demographische Situation8, d.h. die Entwicklung von Bevölkerungsstand und -bewegung während einer relativ kurzen und nicht lange zurückliegenden Periode behandeln. Alle bisher genannten Teilgebiete messen den numerischen Aspekten der untersuchten Phänomene die Hauptbedeutung bei. Sie werden deshalb als formale Demographie9, quantitative Demographie9, im deutschsprachigen Raum meist sogar nur als Demographie (101-1) bezeichnet. Dagegen umfaßt der breitere Begriff Bevölkerungswissenschaft (101-8) auch Arbeiten über die Beziehungen zwischen demographischen Phänomenen einerseits und gesellschaftlichen, ökonomischen und anderen Phänomenen andererseits, die dann als bevölkerungswissenschaftliche Studie10 oder bevölkerungswissenschaftliche Untersuchung10 zu bezeichnen sind.

  • 8. Der entsprechende französische Begriff lautet „conjoncture démographique”.

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Die demographische Analyse1 ist jener Teil der Demographie, dessen Aufgabe es ist, die demographischen Phänomene2 unter Berücksichtigung von Bevölkerungszahl (101-7) und ihren Strukturen so zu untersuchen, daß die Effekte jedes demographischen Phänomens von den Effekten anderer demographischer Phänomene, die in diesem Fall Störphänomene3 genannt werden, isoliert und die Ergebnisse relativiert und damit kontrolliert werden. Sie untersucht auch die gegenseitigen Beziehungen verschiedener demographischer Variablen und ihre Auswirkungen auf Stand und Struktur der Bevölkerung. Man unterscheidet einerseits die Längsschnittuntersuchung4 Longitudinaluntersuchung4, Generationenbetrachtung4, Kohortenanalyse4, die eine genau definierte Gruppe, hierbei Kohorte, Jahrgang, Jahrgangsgruppe (116-2) oder Generation, Geburtsjahrgang (116-1) genannt, im Zeitverlauf verfolgt, und andererseits die Querschnittuntersuchung5, Periodenbetrachtung5, Periodenanalyse5, die sich demographischen Tatbeständen widmet, die sich während eines bestimmten Zeitintervalls (z.B. einem Kalenderjahr) an mehreren Kohorten nebeneinander gleichzeitig ereignet haben.

  • 3. Häufig werden hierbei Verhaltenseffekte von Struktureffekten getrennt.
  • 4. Werden dieselben Personen im Zeitablauf wiederholt befragt, so handelt es sich um eine Paneluntersuchung, die eine echte Längsschnittuntersuchung ist. Eine andere Möglichkeit der echten Längsschnittuntersuchung besteht in der individuellen Zusammenführung von Daten aus unterschiedlichen Quellen (record linkage, matching). Die oben definierte Vorgehensweise beschreibt dagegen die Quasi-Längsschnittuntersuchung. Sie bezieht sich auf Aggregate von im Zeitablauf nicht unbedingt identischen Personen mit einem oder mehreren gemeinsamen Merkmalen (z.B. Geburtsjahr).

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Die Bevölkerungswissenschaft umfaßt über die Demographie hinaus außerdem die Untersuchung der Beziehungen zwischen demographischen Tatbeständen einerseits und ökonomischen und gesellschaftlichen andererseits unter den Bezeichnungen Bevölkerungsökonomie1, auch Demoökonomie1, bzw. Bevölkerungssoziologie2. In der Bevölkerungswissenschaft befaßt man sich auch mit qualitativen Merkmalen der Bevölkerung3, worunter eine ganze Reihe von sozialen und persönlichen Merkmalen zu verstehen ist. Unter qualitativer Demographie3 wurde früher im wesentlichen die Bevölkerungsgenetik4 verstanden, obwohl sich diese lediglich mit der Verteilung und Weitergabe von vererbbaren (erblichen) Merkmalen (910-3) beschäftigt. Die Sozialökologie5, die die regionale, räumliche Verteilung und die Organisation von Gemeinschaften unter Beachtung des Vorkommens kooperativer und kompetitiver Prozesse erforscht, hat einen Teil ihres Untersuchungsgegenstandes mit der Bevölkerungswissenschaft gemein. Noch mehr decken sich die Forschungsfelder und die Methoden der Demographie und der Bevölkerungsgeographie 7★. Auch die Biometrie6 und die Epidemiologie 8★, die unter Anwendung statistischer Methoden biologische bzw. medizinische Forschung betreiben, haben mit der Bevölkerungswissenschaft wesentliche Berührungspunkte.

  • 4. Bevölkerungsgenetik ist begrifflich scharf von Humangenetik zu trennen; letztere untersucht die Vererbung von Genen, während erstere sich mit der genetisehen Struktur der Bevölkerung befaßt. Der Begriff Bevölkerungsgenetik kann sich auch auf das Studium von Pflanzen- oder Tierbevölkerungen beziehen.

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Die Bevölkerungswissenschaft schließt auch das Studium der Bevölkerungstheorien1 ein, die es sich zur Aufgabe machen, mittels ökonomischer, soziologischer und anderer Überlegungen die Entwicklung demographischer Tatbestände zu erklären, vorauszusagen und ihre Folgen offen zu legen. Diese Theorien können gegebenenfalls als Grundlage für die Formulierung einer Bevölkerungspolitik2 dienen (siehe auch §930). Dabei handelt es sich um Maßnahmen zur Beeinflussung von demographischen Veränderungen, wobei sich die Demographen um eine Wirksamkeitsanalyse bemühen.

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